Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45ff des Pflegestärkungsgesetzes seit 1.1.2017 (z.B. Angebote für Demenzkranke in der Häuslichkeit):

Alle Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege (Pflegegrad 1 - 5) haben Anspruch auf einen sogenannten Entlastungs-betrag (125.- Euro/Monat). Damit können Kosten für Angebote zur Unterstützung im Alltag (z.B. durch die org. Nachbarschaftshilfen) erstattet werden. Der Betrag kann aber auch verwendet werden für Tages-, Nacht-, Kurzzeitpflege und  für Leistungen ambulanter Pflegedienste.

Der Betrag 125.-/Monat muss nicht im jeweiligen Monat verbraucht werden, sondern kann noch bis in das 1. Halbjahr des Folgejahres in Anspruch genommen werden.   

Nachbarschaftshilfen (also: freiwillig Engagierte mit Aufwandsentschädigung nach § 3 Nr. 26 EStG), die Unterstützung im Alltag in der Häuslichkeit (z.B. für Demenzerkrankte) erbringen, benötigen eine Anerkennung durch das zuständige Landratsamt (Biberach bzw. Sigmaringen). Grundlage ist die sogen. Unterstützungsange-bote-Verordnung des Landes Ba.-Wü. (UstA-VO)  v. 17.1.2017. Voraussetzung für die Anerkennung der Angebote zur Unterstützung im Alltag ist:

  • Konzept zur Steigerung der Lebensqualität und Verbesserung der Pflege- und Betreuungssituation (eine Modellkonzeption für die org. Nachbarschaftshilfen finden Sie hier)
  • regelmäßiges und verlässliches Angebot der Gruppe bzw. des Dienstes (nicht Einzelpersonen!)
  • persönliche Eignung der Nachbarschaftshelferinnen
  • fachliche Eignung durch Schulung mit mind. 30 Unterrichtsstunden; neue Nachbarschaftshelfer/innen haben ½ Jahr Zeit, um Einführungsschulungen in mehreren Modulen wahrzunehmen. 20 UE sollen Basisschulung und 10 UE Vertiefung sein (1 UE= 45 Minuten). Je nach Themenstellung können die jährlichen Fortbildungen auch als Einführungsmodul für neue Nachbarschaftshelfer/innen gewertet werden. Team- und Fallbesprechungen können ggf. als ein Modul gelten, wenn damit ein entsprechendes Thema abgedeckt wurde. Engagierte Personen, die eine einschlägige berufliche Vorerfahrung mitbringen, müssen die Einführungskurse nicht bzw. nicht in vollem Umfang durchlaufen. Nicht anerkannt werden familiäre Vorerfahrungen. Die als Fachkraft anerkannte Person, kann für die Themen, in denen sie selbst ausreichend qualifiziert ist, als Referent/in tätig werden. Der Träger des Unterstützungsangebots ist für Umfang und Qualität der Schulungen verantwortlich. Für fortlaufende Schulungen wird eine Anzahl von 8 UE pro Jahr empfohlen (vgl. die Orientierungshilfe zu den Schulungen unten stehend)
  • eine ausreichend qualifizierte Fachkraft begleitet kontinuierlich und besitzt eine berufliche Qualifikation (Gesundheits-/Altenpfleger; Heil-,Sozialpädagoge, Familienpfleger/in, Dorfhelfer/in)

  • bestehender Versicherungsschutz (Haftpflicht und Unfallversicherung)

  • jährlicher (formularmäßiger) Tätigkeitsbericht an das Landratsamt, spätestens bis zum 30.4. des Folgejahres

Wenn die jeweilige org. Nachbarschaftshilfe anerkannt ist, dann erst können die Betroffenen/Angehörigen mit der (erhaltenen) Rechnung bei Ihrer Pflegekasse Erstattung beantragen/erhalten. Voraussetzung ist natürlich dabei, dass die Betroffenen (noch) einen Anspruch auf diese Leistung haben und sie nicht anderweitig verbraucht ist.  

Achtung: diejenigen org. Nachbarschaftshilfen, die bereits nach der Verordnung aus 2011 (als "niedrigschwellige Betreuungsangebote") anerkannt sind und die nach §11, 4 der UstA-VO  v. 17.1.2017 auf Verlangen des Landratsamts bestätigen können, dass die Anerkennungsvoraussetzungen weiterhin vorliegen, haben bis Ende 2018 Zeit, die Anerkennung neu zu beantragen. Jedoch ist kein Träger einer org. Nachbarschaftshilfe verpflichtet, einen Antrag auf Anerkennung zu stellen. Wichtig ist jedoch im Sinne der zu versorgenden Menschen in unseren Gemeinden, dass es in der betreffenden Region weitere/andere Angebote gibt.

Eine Modellkonzeption für die org. Nachbarschaftshilfen zur Anerkennung als Unterstützungsangebot im Alltag gemäß UstA-Verordnung, hrsg. vom Fachverband Zukunft Familie 10/2017, finden Sie hier

Eine Information zu den niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten und zur Förderung nach § 45ff SGB XI im Landkreis Biberach gibt es unter:

https://www.biberach.de/landratsamt/kreissozialamt/angebote-zur-unterstuetzung-im-alltag.html. Dort findet man auch die Liste der anerkannten Angebote sowie ein Formular für den Antrag auf Anerkennung sowie ein Formular für den jährlichen Nachweis.

 

Ansprechpartnerin b. Landratsamt Biberach ist Jasmin Auchter, 07351 52-7274, Jasmin.auchter@biberach.de.

Ansprechpartnerin b. Landratsamt Sigmaringen ist Gabriele Haiber, Landratsamt, Stabstelle Sozialplanung, 07571/102-4141 (vorm.)

 


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Vortrag: Angebote zur Unterstützung im Alltag, Rahmenbedingungen und Umsetzung der Unterstützungsangebote-Verordnung bei der Infoveranstaltung des LK Biberach am 15.11.2017.
Unterstuetzungsangebote_Verordnung_15.11
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Rechtliche Grundlagen:

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Verordnung des Landes BW zur Anerkennung der Angebote zur Unterstützung im Alltag nach 45 SGB XI, 17.1.2017; gültig ab 9.2.2017
Verordnung BW UnterstützimAlltag§45SGBXI
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Begründung zur Verordnung
17-30-17-A1-UstA-VO_Begruendung_2017.pdf
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Orientierungshilfe für Schulungen nach der UstA-VO, 2017
17-30-38_Orientierungshilfe_Schulungen n
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